Seaglass: 1´46´´, colour, sound, USA, 2022
Accompanied by a Renaissance fanfare backed with percussion rhythms, elements of fiberglass sculptures pass close before our eyes in a continuous вращение-like motion. The pastel coloring, which appears almost veiled, the rotation that seems at once swift and yet somehow slowed down, and the intermittent emergence of a human face—also softly blurred—only to disappear again into the motion: this rotation has a dreamlike quality. The figures are difficult to interpret, especially since they never fully come into view.
The title of the video is Seaglass. This offers a clue to the background, though it does not fully explain it. Seaglass—known in German as Meerglas, Strandglas, or Seeglas—refers to shards of glass that have weathered over decades on the ocean floor or in the surf through contact with saltwater and sand, gradually being smoothed by the constant motion of the water. In the process, the glass loses both its sharp edges and its shine—precisely those qualities we typically associate with glass. In return, it acquires a new, distinctive aura.
The figures seen passing in the video by Christoph Brech refer to such seaglass: they are figures from a carousel in New York’s Battersea Park. This explains the pastel, muted colors, the lack of shine, the rotational movement, and the appearance of the figures: deep-sea creatures that seem to have risen from the dark ocean floor to the surface. Beautiful, yet also uncanny.
Ultimately, the sky—as an idea of the infinite—is just as terrifyingly sublime as the sea, which may not be infinite, but which we experience as such. And the sky, reflected in the sea, remains the most powerful image of infinity on Earth that we have known since Romanticism. We call it beautiful, yet it is above all the beginning of the terrifying—the pleasurable shudder of the sublime. (Chat GPT)
Unterlegt mit einer von Percussion-Rhythmen begleiteten Renaissance-Fanfare ziehen Elemente von Fiberglas-Skulpturen in fortgesetzter Drehbewegung nah an unserem Auge vorbei. Die wie verschleiert wirkende pastellige Farbgebung, die zur gleichen Zeit zügig und doch auch wie verlangsamt anmutende Drehbewegung, zwischendurch aufscheinend immer wieder einmal ein menschliches Gesicht, auch das wie weichgezeichnet, dann wieder in der Drehung verschwindend – traumhaft mutet diese Drehbewegung an. Die Figuren sind nicht recht zu deuten, zumal sie nie vollständig ins Bild rücken. Der Titel des Videos lautet Seaglass. Das gibt einen Hinweis auf die Hintergründe, klärt sie aber noch nicht auf. Als Seaglass, auf deutsch Meerglas, Strandglas oder auch Seeglas, werden Glasscherben bezeichnet, die am Meeresboden oder in der Brandung über die Jahrzehnte im Kontakt mit Salzwasser und Sand verwittert sind und in der beständigen Bewegung im Wasser abgeschliffen wurden. Das Glas verliert dabei sowohl seine scharfen Kanten als auch seinen Glanz, also genau das, was wir mit Glas gemeinhin verbinden. Es erhält dafür eine neue, eigenwillige Aura. Auf das dortige Seaglass beziehen sich die Figuren eines Karussells im New Yorker Battersea Park, das Christoph Brech im Video vorüberziehen lässt. Das erklärt die pastellenen und gedämpften Farben ebenso wie den fehlenden Glanz, die Drehbewegung und die Erscheinung der Figuren: Tiefseewesen, vom dunklen Meeresboden an die Oberfläche gelangt. Schön, aber auch unheimlich. Schließlich ist der Himmel als Idee des Unendlichen ebenso schrecklich-schön erhaben wie das Meer, das zwar nicht unendlich ist, das wir aber als unendlich erfahren. Und der Himmel, im Meer gespiegelt, bleibt das eindringlichste Bild, das wir seit der Romantik für das Unendliche auf der Erde haben. Wir nennen es schön, doch ist es vor allem des Schrecklichen Anfang, der angenehme Schauer des Erhabenen.
Text: Hans von Trotha